FAQ Kurzdarmsyndrom (KDS) / Short bowel syndrome (SBS)

Unter einem Kurzdarm versteht man die Reduktion des Dünndarms infolge meist ausgedehnter chirurgischer Resektionen. Entscheidend ist die verbleibende Funktion und nicht primär die Restlänge des verbleibenden Dünndarmabschnittes.

Von einem Darmversagen spricht man, wenn nicht mehr ausreichend Nährstoffe über den Darm aufgenommen werden können und Ernährungsinfusionen erforderlich sind.

Welche Ursachen gibt es?

Mit Abstand die häufigste Ursache für KDS ist Morbus Crohn. Durch nicht rechtzeitig und ausreichend behandelte Entzündungen der Darmwand können Engstellen sowie Fisteln entstehen. Fisteln sind pathologische Verbindung des Dünndarms mit der Haut (äußere) oder mit anderen Hohlorganen (innere). Sowohl Engstellen als auch Fisteln können Indikationen für chirurgische Eingriffe sein, wobei grundsätzlich versucht wird, dies zu vermeiden bzw. möglichst wenig Darm zu entfernen. Entscheidend ist deshalb, die Entzündung im Vorfeld frühzeitig und effizient zu behandeln.

Als weitere Ursachen kann man Tumore, Verletzungen mit Darmschädigung, Darmverschluss, Durchblutungsstörungen des Dünndarms, schwere bakterielle Entzündungen, Operationen zur Gewichtsreduktion bei schwerer Adipositas, chirurgische Komplikationen, Bestrahlung des Bauchs bei Krebs, Ablagerung von pathologischem Eiweiß an der Darmwand (Amyloidose) oder angeborene Fehlbildungen nennen.

Was sind die wichtigsten Therapieziele?

Da aufgrund unterschiedlichster Resorptionsverhältnisse des Restdarms auch vielfältige Symptome entstehen können, sollen Betroffene prinzipiell befähigt werden, ihre Erkrankung zu verstehen und ihr eigener Gesundheitsmanager zu werden. Oberste Priorität in der Therapie hat die Verbesserung des Stuhlverhaltens:

Reduktion des Volumens,
festere Konsistenz,
geringere Stuhlfrequenz,
neutralerer Geruch,
optimierter Verdauungsgrad

und damit weniger Wasser-, Nährstoff- und Elektrolytverluste.

Im Zuge des Therapieverlaufes ist es notwendig, die Ernährungsformen (orale, enterale Trinknahrung und parenteralen Ernährungsinfusionen) sowie die Gabe von zusätzlicher Flüssigkeit, Elektrolyten, Spurenelementen und Vitaminen kontinuierlich anzupassen. Anfangs unterstützen relativ engmaschige Laborkontrollen dabei Diätolog*in und Patient*in. Mit Fortdauer der Therapie übernimmt die Patient*in diese Adaptierungen. Dadurch werden die Akzeptanz der Erkrankung sowie die Selbständigkeit der Patient*in gefördert, was eine Reduktion des Pflege- und Betreuungsaufwandes mit sich bringt. Verbesserte Therapieoptionen und -verträglichkeit reduzieren Komplikationen und steigern die Lebenszeit bei guter Lebensqualität.

Welche Medikamente unterstützen die Therapie?

Es gibt eine Reihe an Medikamenten, welche die Therapie von KDS Patient*innen unterstützen können:

Verdauungsenzyme (Kreon®)
helfen, die Nahrung schneller aufzuspalten und damit besser aufzunehmen. Die Einnahme erfolgt gleichzeitig mit der Nahrung (ca. 2.000 Einheiten je 1g Fett), unverdaute Enzyme werden wieder ausgeschieden.

Loperamid (Imodium®, Enterobene®, Loperamid®) führt dazu, dass sich der (Dick)Darm langsamer bewegt und die Nahrung besser aufgenommen werden kann.
Die Einnahme erfolgt ca. 30-45 min. vor der Mahlzeit.

Teduglutid (Revestive®) erhöht den intestinalen und den portalen Blutfluss, hemmt die Sekretion von Magensäure, verzögert die Magenentleerung, verbessert die Nährstoffaufnahme und normalisiert das Wachstum der Darmschleimhaut. Es erhöht die Darmzottenhöhe und die Darmkryptentiefe.

Generell sollte bei allen oralen Medikamenten auf den Einnahmezeitpunkt geachtet werden. Beispielsweise werden Medikamente ca. 20 Minuten vor einer Mahlzeit mit wenig Flüssigkeit besser aufgenommen. Außerdem sollte beobachtet werden, ob Medikamente überhaupt verdaut werden oder unverdaut den Organismus wieder verlassen.

Wie soll man trinken, damit möglichst viel Flüssigkeit aufgenommen wird?

Idealer Weise sollen Flüssigkeiten in kleinen Schlucken über den Tag verteilt werden. Eine Hilfestellung könnte eine Erinnerungsfunktion am Handy sein, die alle 15 Minuten ans Trinken erinnert. Wenn trotz kontinuierlichen Trinkens das Durstgefühl nicht beeinflusst werden kann, sind zusätzliche Flüssigkeitsinfusionen ratsam. Als Richtwert sollte langfristig in 24h mind. ein Liter Harn produziert werden.

Welche Laborwerte sollten Betroffene kennen?

Wie bereits oben erwähnt, unterstützen anfangs relativ engmaschige Laborkontrollen Diätolog*in und Patient*in. Generell steht aber die Beurteilung des Wohlbefindens der KDS Patient*in im Vordergrund stehen und Laborparameter ergänzend zusätzliche Informationen zur Stoffwechselsituation liefern. Folgende Werte sollten periodisch erhoben werden:


Wo können Betroffene Informationen bekommen?

Wenden Sie sich prinzipiell stets an ihr Behandlungsteam. Zusätzlich empfehlen wir den Austausch mit Betroffenen. Der Peer-to-Peer-Support ist ein wichtiger Beitrag, damit Patient*innen zu ihren eigenen Gesundheitsexpert*innen werden.

Autor*innen:
E. Hütterer, K. Mühlböck, M. Nagl

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